Das Stadtteilmanagement Emmertsgrund im Interview

EIN INTERVIEW MIT KRISTIN VOß UND CARSTEN NOACK VOM STADTTEILMANAGEMENT EMMERTSGRUND ÜBER IHRE ARBEIT

 

IZiG: Was kann man sich unter einem Stadtteilmanagement vorstellen?

Hr. Noack: Stadtteilmanagement ist ein Instrument der Stadtteilentwicklung. Wir sind als Schnittstelle zwischen dem Stadtteil und der Stadtverwaltung angesiedelt. Wir fungieren als Mittler von beiden Richtungen in beide Richtungen.

Des Weiteren entwickeln wir den Stadtteil mit all diesen Akteuren weiter, sowohl aus einer kurzfristigen als auch aus einer mittelfristigen Perspektive. In den letzten 2 Jahren wurde der Stadtteilrahmenplan fortgeschrieben. Wir haben die Stadtteilakteure in diesen Prozess miteingebunden, sodass jegliche Akteure und Bevölkerungsteile, die Willens waren, aktiv in dem Prozess mitarbeiten und damit auch die Zukunft dieses Stadtteils mitgestalten konnten. Das war die mittelfristige Perspektive. Was die kurzfristige Perspektive betrifft, können sich z.B. Initiativen im Stadtteil an uns wenden, wenn sie Unterstützung oder Beratung brauchen.

Zweite Bürgerwerkstatt Emmertsgrund. Hier haben sich BewohnerInnen gemeinsam mit der Verwaltung Ziele und Maßnahmen für den Stadtteil erarbeitet.

Zweite Bürgerwerkstatt Emmertsgrund. Hier erarbeiten sich BewohnerInnen gemeinsam mit der Verwaltung Ziele und Maßnahmen für den Stadtteil .

IZiG: Wie finanziert sich das Projekt?

Fr. Voß: Am Anfang wurde es über das Bund- Länder- Programm „Soziale Stadt“ gefördert. Somit wurde es zu jeweils 30% vom Bund und dem Land Baden Württemberg und zu 40%  von der Kommune finanziert. Die Förderung ist jedoch Ende letzten Jahres ausgelaufen. Daraufhin hat der Gemeinderat beschlossen, das Stadtteilmanagement ausschließlich über die Stadt Heidelberg weiter zu finanzieren.

IZiG: Heißen die Menschen Ihre Arbeit im Stadtteil willkommen?

Fr. Voß: Wir haben letztes Jahr eine Evaluation durchgeführt. Das Ergebnis war, dass unsere Arbeit vor allen Dingen von den aktiven Menschen im Stadtteil sehr positiv wahrgenommen wird, weil wir ein ständiger Ansprechpartner sind und sie bei allen ihren Vorhaben unterstützen können. Außerdem betreiben wir Netzwerkarbeit und viel organisatorische Arbeit. Hierfür fehlt den Ehrenamtlichen oft die Zeit. Das nehmen die Menschen im Stadtteil als Bereicherung wahr.

IZiG: Was sind Ihre sonstigen tagtäglichen Aufgaben?

Fr. Voß: Ein großer Teil unserer Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir betreiben eine Internetseite, eine Facebookseite und schreiben Pressemittelungen. Hiermit wollen wir unter anderem das ziemlich schlechte Image des Emmertsgrunds im Stadtteil und vor allem auch in der Stadt verbessern. Außerdem versuchen wir mittels kleinerer eigener Projekte den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil zu fördern. Hierfür organisieren wir zwei Nachbarschaftsfeste im Jahr. Wir besuchen einzelne Quartiere, um die Menschen dort zusammenzubringen und uns bekannter zu machen. Außerdem unterstützen wir auch Feste und Aktivitäten im Stadtteil.

IZiG: Können Sie uns etwas über den TES erzählen?

Fr. Voß: Der TES ist der Trägerverein für das Emmertsgrunder Stadtteilmanagement und setzt sich aus Bewohnern und aktiven Menschen vor Ort zusammen. Das Stadtteilmanagement Emmertsgrund ist eine Einrichtung des Bürgervereins TES.

Der TES ist auch Träger des Bürgerhauses, welches inzwischen umfangreich saniert wurde und 2012 wieder seine Türen geöffnet hat. Das Bürgerhaus ist ein offenes Haus für alle, wo verschiedene Veranstaltungen stattfinden. Dort gibt es neben einem Medienzentrum mit vorhandenen Computer-Arbeitsplätzen auch das HeidelBERG-Café, welches als Anziehungspunkt für die Bewohner im Stadtteil initiiert wurde. Ziel war es, das Bürgerhaus attraktiver für die Menschen zu gestalten.

IZiG: Was gibt es an sich über den Emmertsgrund und seine Sozialstruktur zu sagen?

Hr. Noack: Es gibt nicht „den“ Emmertsgrund. Es gibt einen Stadtteil, der sich Emmertsgrund nennt. Dieser Stadtteil besteht aus verschiedenen Quartieren, welche von uns, aber auch von anderen Menschen im Stadtteil als „Inseln“ bezeichnet werden. In den verschiedenen Inseln und Quartieren gibt es deutlich unterschiedliche städtebauliche und soziale Strukturen. Es gibt z.B. ein Quartier, in denen es 48% Sozialwohnungen gibt und Quartiere mit einem sehr hohen Anteil an Bildungsbürgertum.

Insofern gibt es also nicht „den“ Stadtteil Emmertsgrund, sondern eine Ansammlung von sehr verschiedenen Bereichen. Und eine unserer Aufgaben ist es, diese verschiedenen Bereiche miteinander zu verknüpfen.

Nachbarschaftsfrühstück am Otto-Hahn-Platz

Nachbarschaftsfrühstück am Otto-Hahn-Platz

IZiG: Gibt es im Emmertsgrund eine Migrationskultur?

Hr. Noack: In dem Stadtteil mit etwa 6.500 Einwohnern gibt es relativ viele Migranten. Der Ausländeranteil entspricht ca. 35%. Wenn man allerdings den Migrationshintergrund betrachtet, dann sind es 65%. Wir haben hier eine Vielfalt des ethnischen Hintergrunds von über 100 Nationen.

IZiG: Und was leistet das Stadtteilmanagement für den Bereich Interkultur?

Fr. Voß: Wir versuchen die verschiedenen kulturellen Hintergründe mit unseren Aktivitäten anzusprechen. Bei dem Nachbarschaftsfest auf dem Jellinekplatz wissen wir beispielsweise, dass ein Großteil der Menschen, die dort wohnen, Russland-Deutsche sind. Da diese sehr kinderbezogen sind, haben wir dieses Jahr einen Clown für die Kinder engagiert. Es ist allerdings sehr schwierig auf alle Hintergründe einzeln einzugehen, da hier so viele verschiedene Nationen vertreten sind.

Wir sind momentan auch bei Schul- und Kitafesten sehr aktiv, weil wir hier die Eltern persönlich ansprechen und so auf uns aufmerksam machen können.

 

Das Team und der Vorstand des TES e.V.

Das Team und der Vorstand des TES e.V

IZiG: Gibt es bestimmte Wünsche oder Ziele, welche Sie in den nächsten Jahren verfolgen?

Hr. Noack: Unsere Wunschvorstellung ist natürlich noch mehr Menschen im Stadtteil zu erreichen und insbesondere auch die Menschen, die oftmals als beteiligungsfern bezeichnet werden, wie zum Beispiel Migranten und Alleinerziehende.

Fr. Voß: Es gibt auf dem Emmertsgrund sehr viele Aktive, allerdings ist ein Großteil von diesen im Seniorenalter. Wichtig ist uns, dass wir mehr jüngere Menschen motivieren können, die sich engagieren, damit diese Vereine und Strukturen, die es schon gibt und die auch sehr gute Arbeit leisten im Stadtteil, weiter fortbestehen.

 

Hier geht’s zur Internetseite vom Stadtteil Emmertsgrund.

 

Das Interview führte Hannu Sparwald.

Redaktion: Sabine Mamedov.

Kategorien: Allgemein

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